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16.06.2015

Wenn der Körper überreagiert

Allergiker finden beim spezialisierten Allergologen gute Hilfe
Allergien gehören weltweit zu den häufigsten Erkrankungen. In Deutschland leidet etwa ein Drittel der Bevölkerung an einer Allergie. Spezialisten gehen davon aus, dass sich diese Situation weiter verschärft. Schon in wenigen Jahren könnte die Hälfte der Deutschen mit den lästigen, teilweise sogar bedrohlichen Symptomen von Allergien zu tun haben.


Allergische Reaktionen können auch als übermäßige Reaktion des Immunsystems auf den Kontakt (Einatmen, Hautkontakt, Schlucken) mit eigentlich harmlosen Stoffen (z. B. Pollen, Milben, Tiere, Insekten, Nahrungsmittel, Medikamente) beschrieben werden. Die Folgen sind äußerst vielfältig: Sie reichen vom Niesen (allergische Rhinitis), allergischer Bindehautentzündung oder Rötungen der Haut (Ekzem, Nesselsucht) bis hin zu schwersten Einschnitten in den Lebensalltag. Unsachgemäß oder gar nicht behandelte Allergien können zu schwerem Asthma oder schmerzhaften chronischen Hauterkrankungen und in Einzelfällen sogar zum Tod führen (anaphylaktischer Schock).


Selbstmedikation ist keine langfristige Lösung
Viele Allergiker hoffen auf Linderung ohne ärztliche Behandlung. Sie setzen auf Hausmittel, freiverkäufliche Allergieprodukte aus der Apotheke (wie z. B. Augentropfen, Nasenspray) oder handeln überhaupt nicht und unterschätzen damit das langfristige Risiko: Allergien können sich – ohne sachgemäße Therapie – dramatisch weiterentwickeln. Aus erträglichen Befindlichkeitsstörungen können – via sog. „Etagenwechsel“ – chronische Leiden, wie Asthma entstehen. Das Fazit: Wer an Allergien leidet, sollte ärztliche Hilfe in einem möglichst frühen Stadium der Erkrankung in Anspruch nehmen. Nur: Wer ist der richtige Ansprechpartner?

Hausarzt, Facharzt, Allergologe?
Eine allergologische Basiskompetenz hat jeder Arzt. Über eine umfassende Weiterqualifizierung aber, die zur Zusatzbezeichnung eines „Allergologen“ berechtigt, verfügen nur bestimmte Ärzte. Sie stammen vor allem aus den Bereichen der Dermatologie, Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Lungenheilkunde (Pneumologie) sowie der Pädiatrie (Kinder- und Jugendmedizin). Sie wissen besonders gut über die
Entstehung, den Verlauf, die verschiedenen Ausprägungen und die Behandlungsmöglichkeiten der Allergien Bescheid.


Wie diagnostiziert der Allergologe ganz genau?
Die erste Aufgabe des Allergologen besteht darin, im Gespräch (Anamnese) und mit speziellen Allergietests herauszufinden, welche Stoffe (sog. Allergene) die Allergie auslösen. Die exakte Identifikation der Allergieauslöser ist extrem wichtig, da sonst nicht gezielt geholfen werden kann.
Ein häufig eingesetztes Testverfahren ist z. B. der Prick-Test, bei dem mögliche Allergene auf den Arm des Patienten an vorsichtig angeritzten Hautstellen getropft werden. So gelangen winzige Mengen des möglichen Allergens in den Körper. Sollte der Patient auf eine der Lösungen allergisch reagieren, kommt es zu einer leichten, lokalen Rötung. Alternativen sind der Scratch-Test (ähnlich dem Prick-Test), der Reibe- und der Intrakutantets (Unterspritzen des Allergens unter Hautoberfläche).
Eine andere Provokationsmöglichkeit ist die Auftragung des möglichen Allergieauslösers auf die Schleimhäute (nasale Provokation im Rahmen einer sog. Rhinomanometrie zur Bestimmung des Luftdurchflusses durch die Nase). Manche Allergologen setzen mittlerweile die akustische Rhinomanometrie ein: Der reflektierende Schall aus dem Nasenloch kann differenzierte Ergebnisse über den Zustand der Nasenschleimhäute des Allergikers vor und nach der Provokation mit Allergenen geben.
Insbesondere bei Atemwegsallergien kommt zusätzlich die Lungendiagnostik (z.B. Messung des Lungenvolumens, Atemwiderstands) zum Einsatz. So wird im kleinen Lungenfunktionstest (Spirometrie) eine Anzahl von Basiswerten erhoben, im großen Lungenfunktionstest (Body-Plethysmographie) in einer speziellen Kabine kann noch differenzierter nachgeforscht werden. Schwere Lungenerkrankungen wie Asthma können auf diesem Wege früh erkannt werden. Mithilfe der inhalativen Provokation prüft der Arzt die Empfindlichkeit des Bronchialsystems auf eingeatmete Allergene.
Manchmal nehmen Allergologen auch die Untersuchung des Patientenbluts auf bestimmte Antikörper vor: Bei einer allergischen Erkrankung können diese Werte deutlich erhöht sein.


Welche therapeutischen Möglichkeiten hat der Allergologe?
Um die allergischen Symptome des Patienten zu lindern, setzt der Allergologe spezielle Medikamente (Antihistaminika) ein: Sie erleichtern den Alltag der Betroffenen in der Regel schnell, müssen aber regelmäßig
angewendet werden und bieten keine nachhaltige Verbesserung. Eine Beschwerdefreiheit ohne den Einsatz von Antihistaminika kann eine Hyposensibilisierungsbehandlung („spezifische Immuntherapie“) in vielen Fällen leisten. Über einen längeren Zeitraum hinweg (bis zu drei Jahre) erhält der Patient den Allergie auslösenden Stoff in ansteigenden, kleinen Dosen verabreicht, sodass sich der Organismus langsam an das Allergen gewöhnen kann. Landläufig wird in diesem Zusammenhang auch von einer „Allergieimpfung“ gesprochen, was das Prinzip im Grunde umreißt. Diese spezifische Immuntherapie kann mittels Spritzenbehandlung als sogenannte subkutane Immuntherapie (SCIT) erfolgen. Eine besonders sanfte Form ist die sublinguale Immuntherapie (SLIT): Nach einem genauen Plan träufelt sich der Allergiker dabei eine bestimmte Tropfenzahl selbst unter die Zunge (d.h. „sublingual“).
Die Erfolgsquoten der Hyposensibilisierungen sind erstaunlich. Daher gilt diese Therapie auch als zukunftsweisend.


Berufseignung beim Allergologen testen lassen
Traumberuf Maler, Bäcker, Friseur, Krankenschwester? Diese und andere Berufsfelder setzen bestenfalls voraus, dass bestimmte Allergien beim Bewerber nicht vorliegen. Der Facharzt mit der Zusatzbezeichnung „Allergologe“ ist auch hier der richtige Ansprechpartner. Er kann vorsorglich prüfen, ob der Berufseinsteiger mit den berufsüblichen Allergenen „klar“ kommt oder ob aus allergologischer Sicht eher ein anderes Betätigungsfeld zu empfehlen ist. So kann früh dafür gesorgt werden, dass es später nicht zur Berufsunfähigkeit kommt. Wer im Verlaufe seines Berufslebens spürt, dass er auf bestimmte Stoffe allergisch reagiert, sollte – wie jeder Patient – schnell zum Allergologen.








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