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26.03.2015

Hochsaison für Allergiker naht: Versorgung wackelt

Seit nunmehr fast zwei Jahren macht das Aktionsforum Allergologie auf die Unterversorgung der Allergiker in Deutschland aufmerksam: Eine Verbesserung zeichnet sich für die Patienten aber noch nicht ab. Die Ärztinnen und Ärzte der Mitgliedsorganisationen wollen nun mit einem umfangreichen Aktionsplan, Öffentlichkeitsarbeit und gesundheits-politischen Initiativen alles daran setzen, dass Allergiker in Zukunft angemessen versorgt werden – und damit Lebensqualität zurückgewinnen. Es wird höchste Zeit: Wieder steht eine allergische Hochsaison bevor.

Die Zahl der Allergiker steigt zusehends. Die Krankheitszunahme geht aber nicht mit einer Verbesserung der Versorgung von Allergikern einher*. Im Gegenteil: Die Zahl der Arztpraxen, die allergologische Diagnosen kodieren (abrechnen), nimmt ab. Der Anteil der Patienten, die eine Spezifische Immuntherapie (SIT) erhalten, ist im Verhältnis zum Anstieg der Gesamtzahl von allergischen Patienten nur sehr gering (vgl. „Wasem-Studie“)**.

Völlig unterschätzte Volkskrankheit

„Wenn sich die Situation nicht bald grundsätzlich ändert, wird sich die ohnehin hohe Anzahl allergischer Erkrankungen weiter nach oben entwickeln“, warnt Professor Dr. med. Harald Renz eindringlich: „Die hohen Kosten, die die Solidargemeinschaft tragen muss - schon jetzt werden 1 Millionen Fehltage auf Allergien zurückgeführt - sind nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist das tägliche Leiden von Millionen Patienten, denen wir nicht mehr umfassend helfen können.“ Professor Dr. med. Eckard Hamelmann unterstreicht: „Allergien sind eine unterschätzte Volkskrankheit. Ein so großes Problem, dass es eine konzertierte Anstrengung von allen beteiligten Medizinern erfordert. Wenn wir nicht schnell und effektiv handeln, werden Millionen von Betroffenen tägliche Einbußen in der Lebensqualität erleiden müssen. Für viele Allergiker ist schon jetzt jeder Tag eine Qual.“

Im Konsens: Konzept, Kommunikation, Kontakt

Das Aktionsforum aus Dermatologen, Pneumologen, HNO-Spezialisten und Kinder- und Jugendärzten setzt sich für die Interessen aller Allergiker ein. Die Arbeit der Ärzte und Wissenschaftler teilt sich dabei in drei wesentliche strategische Felder auf: Es geht um die Erarbeitung eines konsentierten Konzeptes für die Versorgungsverbesserung, die Kommunikation des Problems und der Lösungsmöglichkeiten in die Fachwelt und in die Bevölkerung und den Kontakt zu den gesundheitspolitischen Entscheidern.

Erste Schritte stimmen hoffnungsvoll

Das Aktionsforum Allergologie legte bereits Ende 2014 die Antworten zum umfangreichen Fragenkatalog für das Disease Management Programm (DMP) Allergie dem Gemeinsamen Bundesausschuss zur Antragszulassung vor. Eine Genehmigung des strukturierten Behandlungsprogramms wurde zwar nicht erreicht, aber Privatdozentin  Dr. med. Kirsten Jung weiß: „Sollte es langfristig zu einer Genehmigung des strukturierten Behandlungsprogramms kommen, wären wir einen sehr guten Schritt weiter. Parallel dazu haben wir aber eine lange Liste anderer Aktivitäten geplant, die den allergiekranken Menschen in Deutschland helfen sollen.“

Nationaler Aktionsplan als Basis politischer Entscheidung

Ein Aufruf für einen Nationalen Aktionsplan Allergie liegt politischen Entscheidungsträgern mittlerweile vor. Und den Startschuss für die Öffentlichkeitsarbeit gab die Pressekonferenz im Februar im Hause der Bundespressekonferenz. Die Resonanz stimmt hoffnungsfroh. Jetzt geht es darum die „Gatekeeper“ in der Politik zu bewegen. Professor Dr. med. Harald Renz verrät: „Wir stehen im Kontakt mit politischen Entscheidungsträgern und sind sicher, dass wir das Problem nur gemeinsam lösen können und werden.                     Für die Millionen Allergiker, die im Frühjahr und Sommer wieder mit schlechter Versorgung klarkommen müssen, sollte endlich etwas getan werden.“

 

 

*Vgl. Studie des Robert-Koch-Instituts, „Häufigkeit allergischer Erkrankungen“, 2013

**Veröffentlichung zur sog. „Wasem-Studie“:                                                       

Biermann J., Merk H., Wehrmann W., Klimek L., Wasem J., Allergische Erkrankungen der Atemwege – Ergebnisse einer umfassenden Patientenkohorte in der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung, Allergo J 2013; 22(6) 366 - 73


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